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Absehen von einem Fahrverbot

Mindestabstand bei Geschwindigkeitsmessung wird nicht eingehalten

Kein Fahrverbot trotz Geschwindigkeitsüberschreitung.
Wird kurz vor dem Ortsausgang in einem Abstand von ca. 50 - 60 m vor dem Ortsschild die Geschwindigkeit gemessen, kann trotz Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit die Verhängung eines Regelfahrverbotes unzulässig sein.
Bei besonderer Gefahrensituation oder wenn die Geschwindigkeit durch Geschwindigkeitsschilder stufenweise heruntergeregelt wird, darf von der Mindestentfernung jedoch abgewichen werden und auch unmittelbar am Ortsschild gemessen werden. 
Wird gegen den einzuhaltenden Mindestabstand verstoßen, bleibt die Messung grundsätzlich verwertbar. Allerdings wird nach der Rechtssprechung u.U. die Verhängung z.B. eines Fahrverbotes nicht in Betracht kommen (OLG Hamm DAR 00, 580; OLG Oldenburg NZV 96, 375; OLG Köln VRS 96, 62; OLG Brandenburg JMBl BB 96, 173).

Arzt beruft sich auf Notstand (notstandsähnliche Situation)

Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts um 36 km/h, Verkehrsvorschriften aus Sorge um den Patienten missachtet, keine Einstellung des Verfahrens, jedoch Absehen vom Fahrverbot
Beschluss des Bayerischen Obersten Landesgerichts vom 22. November 1999, 2 ObO Wi 518/99

Absehen von einem Fahrverbot aus beruflichen Gründen / Existenzgefährdung / drohende Arbeitslosigkeit:

Vor allem dann bejaht, wenn im Betrieb kein weiterer Fahrer zur Verfügung steht bzw. aus finanziellen Gründen nicht eingestellt werden kann.
Droht durch das Fahrverbot ernsthaft und konkret der Verlust des Arbeitsplatzes (OLG Hamm NZV 96, 118; OLG Celle NZV 96, 291 OLG Düsseldorf NZV 92, 373) bzw. bei Selbstständigen die ernsthafte Gefahr für den Fortbestand des Betriebes (OLG Frankfurt NStZ-RR 00, 312), liegt eine außergewöhnliche Härte vor, die ein Absehen vom Fahrverbot rechtfertigt.

Anwalt betreibt Kanzlei ohne weiteren Kollegen (Einzelrechtsanwalt), zfs 97, 76

Tierarzt benötigt Pkw für seine Tätigkeitsausübung, AG Osnabrück DAR 01, 138

Kleinunternehmer mit einem Fahrzeug, das von ihm selbst gefahren wird, OLG Braunschweig zfs 96, 194

Jungunternehmer im Kurierdienst tätig; zfs 95, 34

selbstständiger Taxiunternehmer, allein tätig, ein Taxifahrzeug, das von ihm selbst gefahrenen wird, NZV 95, 405; zfs 98, 35

Betroffener ist selbstständiger Gerüstbauer; anderer Fahrer kann nicht eingesetzt werden, zfs 98, 36

Betroffener ist selbstständiger Küchen- und Montagetechniker ohne weitere Mitarbeiter, AG Usingen zfs 00, 227

Betroffener ist selbstständig und im Außendienst tätig, hohe Fahrleistung; zwei Angestellte, die ausschließlich im Innendienst tätig sind,  zfs 01, 39

Betroffner in Wechselschicht tätig, Entfernung zur Arbeitsstelle 25 km, Betrieb mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen, DAR 98, 401

Betroffener ist freiberuflich und überwiegend für ein Unternehmen tätig, wegen seines Alters geringe Chancen auf eine andere Arbeitsstelle, OLG Hamm zfs 96, 316

Betroffener ist leitender Angestellter und auf Pkw angewiesen, Einstellung eines Fahrers nicht möglich, AG Gütersloh zfs 97, 154

Betroffener ist leitender Angestellter mit hoher Fahrleistung im Aussendienst; Firma kann keinen anderen Mitarbeiter als Fahrer abstellen bzw. einen Fahrer anstellen, ohne Betrieb zu gefährden, AG Stuttgart zfs 97, 314

Betroffener mit erhebliche Fahrleistungen im Außendienst tätig, wirtschaftlich angeschlagenes Unternehmen, AG Nauen DAR 00, 422

Unternehmen wirtschaftlich angeschlagen, Betroffener ist auf Pkw zwingend angewiesen, OLG Stuttgart DAR 97, 31

Absehen von einem Fahrverbot wegen körperlicher Behinderung bzw. Krankheit

Entscheidend ist die Schwere der Behinderung bzw. der Krankheit und das Angewiesen sein auf das Fahrzeug

alleinstehender querschnittgelähmter Rollstuhlfahrer, der sein Pkw für die Besorgungen des täglichen Lebens benötigt, OLG Frankfurt NZV 95, 366

querschnittgelähmter Ersttäter, AG Hof NZV 98, 388

Betroffener ist nach einer Herz-Operation auf Pkw  angewiesen, um regelmäßig zur Behandlung in die Klinik zu  fahren, AG Meldorf zfs 00, 366

Pflege und Versorgung eines pflegebedürftigen Angehörigen, OLG Hamm DAR 96, 387